Facil

Potsdamer Straße 3, 10785 Berlin, Deutschland
18/20
Prestigeträchtiger Tisch

Praktische Informationen

Koch
Michael Kempf | Joachim Gerner
Küche
Gastronomisch | International | Vegetarier
Zusätzlicher Service
Privater Parkplatz | Privater Raum | Terrasse | Unterkunft
Stil
Casual | Mit Freunden | Romantisch

Die Meinung von Gault&Millau 2025

Berlin ist eine quirlige, bisweilen auch fordernde Stadt. Daran schließen sich auch gerne die gehobenen Restaurants an, denn oft gilt es, mit Messer und Gabel deutungshohe Konzepte zu durchdringen. Aus dem „Facil“ wurden wir dabei in den letzten Jahren nie ganz schlau: Einerseits ist die Küchen- und Servicemannschaft im „The Mandala Hotel“ am Potsdamer Platz in der Lage, mit einer kreativ anspruchsvollen und handwerklich perfektionierten Produktküche nachgerade zu überwältigen. Andererseits haben wir hier Ausfälle in Servicequalität und Küchenleistung erlebt, die einen in einem Haus dieses Anspruchs geradezu fassungslos zurücklassen. Auch in diesem Jahr waren wir deshalb mehrfach im „Facil“ – mit gleichem variablem Ergebnis. Je nach Tagesform würden wir fulminante fünf Hauben vergeben oder die Bewertung am liebsten ganz aussetzen, so wie es an der Börse mit gecrashten Werten hin und wieder geschieht. So bleibt es bei vier Hauben mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass das Restaurant offensichtlich an einer Wegscheide steht – zwischen groß aufgekocht und voll daneben scheint hier ein unsicherer Grat zu verlaufen. Ist das Team angesichts der zehn Services pro Woche (eine an sich löbliche Seltenheit in der Branche) bisweilen schlicht überarbeitet und übermüdet? Oder fehlt es an manchen Tagen an klarer Führung? Denn die Produktqualität ist stets untadelig – nur bringt sie nichts, wenn der kross gebratene Zander, saftige, trockengereifte Filets von der bretonischen Rotbarbe oder festfleischiger Carabinero nach bis zu einer Stunde Wartezeit zwischen den Gängen von einem unkoordinierten, maximal unaufmerksamen Service fast völlig erkaltet an den Tisch gebracht werden. Bleiben wir bei den guten Tagen: An denen wird die Entenbrust von Züchter Jean-Claude Miéral oder das Lamm vom Gutshof Polting meisterhaft zubereitet und in Szene gesetzt, gerne mit allerlei Texturen und Temperaturen, etwa die jodige Meeresfrische von Gillardeau-Austern, die in einem Rahmen aus gehaltvollem Ochsenmark, säuerlichen Zitronenperlen oder mariniertem Beelitzer Spargel bestens zur Geltung kommen dürfen. Spargel baut auch schmelzendem Sevruga-Kaviar das Podest, dazu fleischiger Taschenkrebs und frische, süßliche Erbsen. Letzteres Gericht ist ein Gang aus dem Gourmetmenü, das mittags und abends angeboten wird. Das Mittagsangebot besteht darüber hinaus aus zwölf Kreationen, offeriert zu höchst moderaten Preisen. Zwei Gänge beginnen bei knapp 70 Euro. Aber zurück zur Küche, zur süßen Küche, um genau zu sein: So gegensätzlich manche Kombinationen im „Facil“ scheinen, die Zutaten finden zumindest in der Patisserie von Thomas Yoshida doch immer auf harmonische Weise zueinander. Vor allem das Spiel mit allerlei Kräutern und Gemüse verpasst vielen Kreationen einen spannenden Würzkick. Basilikum, Sellerie und Joghurt werden kombiniert. Die Weinauswahl von Sommelier Felix Voges lässt auch Jahrgangstiefe nicht vermissen. Im offenen Ausschank ist Spannung drin, an feinerer Verzahnung ließe sich dagegen noch eine Schippe drauflegen.

Karte

Karte — Facil © OpenMapTiles © OpenStreetMap
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