L. A. Jordan

Heumarktstraße 14, 67146 Deidesheim, Deutschland
18/20
Prestigeträchtiger Tisch

Praktische Informationen

Koch
Daniel Schimkowitsch
Küche
Französisch | Gastronomisch | International | Japanisch | Meeresfrüchte
Zusätzlicher Service
| Privater Parkplatz | Privater Raum | Terrasse | Unterkunft | Zugang für Behinderte
Stil
| | Mit Freunden | Romantisch

Die Meinung von Gault&Millau 2025

Fangen wir mit Kritik an: An einem lauen Sommerabend wie bei unserem Besuch wird das Essen auf der Terrasse serviert, die durch Räucherfeuer erstaunlich insektenfrei gehalten wird. Der wunderbare Ketschauer Hof mit seinen großen Bäumen bietet das perfekte Ambiente für ein hochklassiges Menü – bis es dunkel wird. Denn wer auch immer die Terrasse des L.A. Jordan designt hat, hat nicht ans Licht gedacht. Eilig herbeigetragene, schummrige LED-Lämpchen in der Tischmitte sorgen dafür, dass die kleinen Kunstwerke, die Daniel Schimkowitz auftragen lässt, vor dem Gast vollends im nächtlichen Schatten liegen. Wer wissen will, was er zu sich nimmt, zückt also die Smartphone-Taschenlampe und so wirkt der spätere Abend ein wenig wie ein Popkonzert mit kleinen Lichtpunkten überall im Publikum. So schön der Sommer in der Pfalz ist: Diese Fast-nicht-Illumination hat das Menü des L.A. Jordan nicht verdient. Selbiges beginnt – noch im Dämmerlicht – mit einem grob geschnittenen Jakobsmuscheltatar in knackiger Crustade mit Spitzkraut, Nashi-Birne und Boudin Noir, das Ganze frisch und pur und mit aromatischen Trüffelscheiben großzügig bedeckt. Die folgende mattglänzende, marinierte portugiesische Sardine schwimmt mit ihrem Rogen und Chawanmushi-Würfeln, gezupften Brokkoliknöllchen und Trüffelstückchen in einem Sud aus Colatura di Alici – eine wunderbar sauer-frische Kombination, bei der man die hervorragende Produktqualität, die den Abend durchgängig auszeichnet, bei jedem Bissen herausschmeckt. Gleiches gilt für die knackig-erfrischende gezupfte Königskrabbe mit einem Sud aus weißem Kimchi, Sesam und Forellenkaviar. Das Menü bleibt asiatisch inspiriert: zwei Tranchen einer Thunfischmakrele werden mit Oroshi (japanischem Rettich) und Roter Bete in einer süß kontrastierenden Erdbeer-Tomaten-Vinaigrette gereicht. Emblematisch für Schimkowitschs Fähigkeit, scheinbar gegensätzliche Aromen, eines davon meist mit Säurekick, überraschend zu einem neuen Geschmacksbild zu vereinen. Der beste Gang des Abends ist zweifellos der perfekt-saftig gegarte Loup de Mer mit ultrakrosser dünner Haut, darauf eine kräftige N25-Kaviarnocke mit Zwiebel-Koji-Confit in intensivem Liebstöckelsud mit Clamstock – ein bleibendes Geschmackserlebnis, das Flüssiges und Festes, Schmelziges und Crunchiges, Saftiges und Süßes perfekt vereint. Wäre auch das fein geschnittene Poltinger Lamm mit Austern unter einem Schaum von wildem Knoblauch so differenziert gelungen (hier fielen die Aromen in sich zusammen und schmeckten ein wenig wie – sorry! – Eintopf) – wir würden sofort die fünfte Haube zücken. Die hätte auch die Taube aus Racan verdient, die scharf gewürzt und glasiert auf feinst geschnittenem Radicchio, Pecorino, Schnittlauchöl und australischem Wintertrüffel eine wahre Geschmacksexplosion bot. Auch der süße Teil des Menüs überzeugte mal mehr, mal (auf ganz hohem Niveau) noch etwas weniger: Grandios das „Frozen Tempura“: eine krachend feste, grünliche Baiserhaube, rauchend schockgefrostet, darunter Shiso, Mirabelle, sahnig karamellisierte Pecan und Charentais-Melone – ein texturelles wie geschmackliches Gedicht. Das „Special K 2.0“ hatte mit der Kellogg's-Variante nur den Crunch gemeinsam, die Schokolade mit Kaviar statt Salzkaramell aufzupeppen, war aus unserer Sicht dagegen zwar gut gedacht, geschmacklich aber noch nicht ganz auf dem Punkt. Auch unsere kleinen Nörgeleien ändern nichts daran, dass der beständig an seinem Menü feilende, hochkreative Daniel Schimkowitsch mit seinem Team ganz kurz vor der fünften Haube steht, die wir ihm hoffentlich nächstes Jahr endlich aufsetzen dürfen. Ach ja: Hier, auf dem Gelände des Weingutes Bassermann-Jordan, hätten wir die fulminante Weinkarte mit ungeheuerlicher Jahrgangstiefe beinahe vergessen. Sie möchten Ihren Geburtsjahres-Wein zum runden 40. oder 100.? Kein Problem – bis 1811 lässt sich alles organisieren und ist ein guter Grund mehr, im schön restaurierten Herrenhaus des Gutes zu nächtigen.

Karte

Karte — L. A. Jordan © OpenMapTiles © OpenStreetMap
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    Daniel Schimkowitsch Küchenchef
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